Tagung der VSP vom 29. April 2008 in der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch LU

Dieses Jahr dürfen wir von einem Rekord sprechen. Am Dienstag, 29.04.2008 fand die Weiterbildungstagung der VSP (Vereinigung Schweizer Polizistinnen) in der IPH statt. Insgesamt haben sich 195 Frauen für diesen Anlass angemeldet. Dank unserer Koordinatorin und Organisatorin vor Ort, Sara Ineichen, von der der Kantonspolizei Luzern, durften wir einen unvergesslichen Tag erleben. Die Räumlichkeiten der IPH waren modern und mit allen notwendigen Mittel eingerichtet, so dass sich unsere Referenten wohl fühlten.

Nach dem durch die VSP offerierten Kaffe und Gipfeli eröffnete die Präsidentin Vicki Pridal unsere Tagung. Als Gast an unserer Tagung durften wir Urs Krügel von der Geschäftsleitung des VSPB willkommen heissen. Mit den Begrüssungsworten vom Kdt der Kantonspolizei Luzern, Herrn Beat Hensler, starteten wir mit dem 1. Referat. Er stellte uns die Gebäude der IPH kurz vor und wir erfuhren, dass die Schule früher ein Lehrerseminar war. Weiter erklärte er uns, dass momentan 320 Schüler die IPH besuchen.

Nach ein paar Erläuterungen betreffend Risikopotential der Fussball Euromeisterschaft 2008 hielt uns Herr Hensler das interessante Referat mit dem Thema „Frauen bei der Polizei – ein betriebswirtschaftliches Verlustgeschäft“. Polizei ohne Frauen ist nicht mehr denkbar. Obschon immer noch viele Männer der Meinung sind, dass Frauen eher an den Kochherd gehören und für das Wohlergehen der Familie zuständig sind.

Die Frau bei der Polizei erlebte ihren Einstieg als Kriminalbeamtin. Dank des Frauenstimmrechts, welches 1971 durch das Schweizer Volk angenommen wurde, gab es der Frau die Möglichkeit sich in dieser Domäne zu entfalten. In den 80er Jahren sah man erstmals Frauen in der Uniform. Mitte der 90er Jahre hatte es in jedem Korps mindestens eine Frau.

Gemäss Statistiken liegt der Anteil der Frauen im Durchschnitt zwischen 7-17% in der ganzen Schweiz. Führend ist der Kanton Basel BS mit 17%. Leider ist der Frauenanteil wie z.B. im Kanton St. Gallen mit 7 % noch relativ tief. Es hat sich auch herausgestellt, dass städt. Polizeikorps einen höheren Anteil an weiblichen Einsatzkräften haben. Dies hat wahrscheinlich damit zu tun, weil in den Städten der Kontakt mit der Bevölkerung näher ist. Rein aus gesetzlichen Gründen wird verlangt, dass Personen von gleichgeschlechtlichen Polizisten kontrolliert und durchsucht werden.

Leider ist die Anzahl an Frauen in Führungspositionen immer noch klein. Dies hat den Grund der hohen Fluktuation. In Kaderpositionen finden wir oft Quereinsteigerinnen mit Studium- oder Hochschulabschluss. Die Aufstiegsmöglichkeiten sind minimal. Um auch nur einen höheren Grad zu erhalten, muss man gewisse Jahre Frontarbeit leisten. Oftmals werden Frauen früher schwanger und eine Teilzeittätigkeit erlaubt ihnen nicht die Karrierenleiter aufzusteigen.

Nun, wieso ein Verlustgeschäft?! Da Frauen oft in jungen Jahren eine Familie gründen und Kinder gebären ist ihre Zeit bei der Polizei häufig auf relativ kurze Zeit beschränkt und somit sind die Investitionskosten für die Ausbildung einer Polizistin im Vergleich zu einem männlichen Kollegen sehr hoch. Zudem muss sich der Arbeitgeber mit Dienstplanänderungen und Personalwechseln befassen. Um die fehlende Frau zu ersetzen braucht es neue Mitarbeiter, welche wiederum eine Einarbeitungszeit benötigen.

Laut Statistik stieg seit 1960 das Alter an in welchem geheiratet wird und auch der Wunsch nach Nachwuchs ist heute etwas später als früher. D.h. dass Frauen in Zukunft eher etwas länger im Polizeiberuf bleiben werden.

Viele Polizeikorps haben es jedoch erkannt. Man kann volkswirtschaftliche Vorteile mit betriebswirtschaftlichen Defiziten kompensieren. Anstelle einer 100% Stelle, können auch zwei 50% Stellen eingesetzt werden. Weitere Aspekte sind, dass die Gesellschaft weibliche Fachkräfte bei der Polizei verlangt. Durch Frauen bei der Polizei, können auch ausgewogene Teams gebildete werden. Bei gewissen Einsätzen, wie häusliche Gewalt, Sexualdelikte oder Interventionen mit Kindern, hat eine Frau das nötige Feeling und kann enorm viel bewirken.

Nach einer kurzen Pause stellte uns Frau Marianne Heimoz, Direktorin der Strafanstalt Hindelbank das Leben hinter den Gefängnismauern näher vor. Hindelbank gehört zum einen ein Dorf am Rande der Agglomeration Bern. „Hindelbank“ steht – im Sprachgebrauch – gleichzeitig auch für die einzige Vollzugsanstalt für Frauen in der deutschsprachigen Schweiz. Wer mit dem Zug oder auf der Strasse von Bern nach Zürich fährt, sieht allerdings einzig das Kunstdenkmal Hindelbank: Hindelbank war einst eine der beiden Sommerresidenzen des Berner Schultheissen Hieronymus von Erlach und gilt – in seinem historischen Teil – heute als das besterhaltene Barockschloss der Schweiz. In diesem, 1722 erbauten Schloss, wurden ab 1866 Frauen untergebracht: Vorerst diente der Bau als Armenanstalt für Frauen, ab 1896 als Zwangsarbeitsanstalt für Weiber und ab 1912 als Arbeits- und Strafanstalt für Frauen. 1959 wurden jene Annexgebäude erstellt und Mitte der 90er Jahre zum Teil saniert, in denen die Insassinnen noch heute leben. Im Schloss sind seit den 60er Jahren die Verwaltung, Zentralküche und die Kapelle untergebracht, die Säle dienen als Sitzungszimmer. Schloss und Barockgarten stehen unter nationalem Denkmalschutz.

Die Anstalten Hindelbank verfügen einschliesslich der Aussenwohngruppe Steinhof in Burgdorf über 107 Plätze. Welche insgesamt in sieben Wohngruppen unterteilt sind. Die Anstalten dienen dem Vollzug von Strafen und Massnahmen gemäss StGB und ZGB im geschlossenen und offenen Bereich an Eingewiesenen mit geringen bis höchsten Sicherheitsrisiken (inkl. Hochsicherheit). Es können in beschränktem Umfang auch Mütter mit Kleinkindern aufgenommen werden. Die eingewiesenen Frauen stammen aus zirka 25 Nationen.

Die Bücher, alle von Hand und mit Tinte geschrieben (z.T. noch in Kurrentschrift), dokumentieren, dass um die Jahrhundertwende so genannt „liederliche Weibsbilder“ für ein bis zwei Jahre nach Hindelbank eingewiesen worden sind (heute: fürsorgerische Freiheitsentziehung, FFE) – Landstreicherinnen, ledige Mütter, Ehebrecherinnen, beim Milchpanschen erwischte Mägde. Um Frauen also, die sich nicht konform verhalten hatten und an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden waren. Um Frauen auch, von denen die wenigsten über eine Berufsausbildung verfügt haben. Das damalige Regime war hart: Sprechen während der Arbeit war verboten und wurde sanktioniert.

Später kamen auch „richtige“ Verbrecherinnen nach Hindelbank. Diebinnen, Betrügerinnen und ab und zu auch Mörderinnen. Sie wohnten und arbeiteten im Schloss als Näherinnen („Weissnäherinnenseminar“), in der Küche, in der Waschküche oder im Landwirtschaftsbetrieb und wurden von einigen wenigen Diakonissinnen betreut. Das Regime war nach wie vor hart, den damaligen Vorgaben entsprechend eben. Mitte der 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden jene Annexgebäude gebaut, in denen die Insassinnen noch heute untergebracht werden. Und ab Mitte der achtziger Jahre wurde es den Insassinnen erlaubt, ihre eigenen Kleider zu tragen und auf die bisherige Anstaltskleidung für Erstmalige und für Rückfällige zu verzichten. In Hindelbank leben Frauen ab 18 Jahren bis ins Rentenalter. Untergebracht werden die Frauen in grossen, schulhausähnlichen Trakten, die sich um Innenhöfe gruppieren und in denen – je nach Wohngruppe – bis zu 22 Frauen in Einzelzellen wohnen und die über gemeinsame Ess- und Aufenthaltsräume verfügen.

Das Strafmass der Eingewiesenen liegt zwischen drei Monaten und lebenslänglich, wobei sie verhältnismässig einen hohen Anteil an Frauen mit Strafen über vier Jahren haben. Rund ein Drittel der Frauen ist im vorzeitigen Straf- oder Massnahmenantritt.

Nach dem interessanten Vortrag von Frau Heimoz hatten wir das Vergnügen im Rittersaal das Apéro, welches durch das Kommando der Kapo Luzern offeriert wurde, einnehmen zu können. Das Mittagessen konnten wir ebenfalls in den Räumlichkeiten der IPH einnehmen.

Als letzten Referenten begrüssten wir Patrick Benz vom Grenzwachtkorps. Er präsentierte uns zwei Fälle, welches dank enger Zusammenarbeit mit dem grenznahen Polizeikorps Kapo Genf zu einem Erfolgserlebnis wurde. Im ersten Fall „Operation Bernovic“ handelte es sich um Menschenschmuggel. Mittels Telefonkontrollen, Ausrüstung von GPS auf Mietfahrzeugen und Grenzfahndungen ist es ihnen gelungen einen Mietbus an der Grenze anzuhalten. Die bosnischern Schlepper verlangten Fr. 2000.— pro Person für den Transport in die Schweiz. Minderjährige waren etwas günstiger.

Im 2. Fall mit dem Namen „Peugeot“ berichtet er uns von einer Grenzkontrolle, an der die Kollegen Peugeot, Model 405 mit slowakischen Kontrollschildern kontrollierten. Ihnen fiel auf, dass im Bereich des Radkastens ein leeres Versteck vorbereitet war. Ohne Reaktion auf diese Feststellung wurden Daten / Handy etc. vom Lenker erhoben und die Ermittlungen begannen! Zusammen mit der Stadtpolizei Zürich wurden Telefonkontrollen aufgeschaltet und Grenzfahndungen aktiviert. Sehr schnell stiessen sie auf erste Erfolge. Es wurden ca. 35kg Heroin und Fr. 700'000.— sichergestellt. Weiter wurde 14 Personen verhaftet. Später merkten sie, dass noch weitere Fahrzeuge mit diesen Radkastenverstecke Drogen von Albanien über Italien, aber auch über andere Länder in die Schweiz transportierten. Insgesamt wurde 182 kg Heroin sichergestellt.

Um 1545 Uhr begann die 46. Ordentliche Generalversammlung der VSP. Gemeinsam haben wir über die Herabsetzung des Mitgliederbeitrages abgestimmt. Neu werden nun Aktivmitglieder Fr. 10.— und Passivmitglieder lediglich noch Fr. 5.— pro Jahr bezahlen.
Mit schwerem Herzen haben wir uns von Vicki Pridal-Hofer verabschiedet. Sie gibt ihr Amt als Präsidentin nach 5-jähriger engagierter Tätigket aus beruflichen Gründen ab. Einstimmig wurde Doris Frei-Staub der Kapo St. Gallen als neue Präsidentin der VSP gewählt. Wir heissen sie im Vorstand herzlich Willkommen.

Unsere nächste Weiterbildungstagung findet voraussichtlich im Kanton Bern statt. Das genaue Datum und der Ort werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

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